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„Banalität des Bösen“

... so beschrieb Hannah Arendt das Verhalten des Massenmörders Adolf Eichmann. Er war in Deutschland im Reichssicherheitshauptamt verantwortlich für die Ermordung von schätzungsweise 6 Millionen Menschen. Es folgen meine Gedanken dazu in Zeiten eines immer mächtigeren Staates.

Der Lindener Marktplatz im Juni 2006. Dort steht das Haus, in dem Hannah Arendt 1906 geboren wurde. Ein Platz zum Zusammenkommen. Foto: Achim Brandau, linden-entdecken.de Lizenz: CC BY-SA 2.0


Arendt verfolgte den Prozess gegen Eichmann in Jerusalem und schrieb dazu ein Buch.

Zitat Wikipedia(externer Link) :

In der Einleitung zur deutschen Ausgabe 1964 erläutert Arendt ihre Wortwahl: „In dem Bericht kommt die mögliche Banalität des Bösen nur auf der Ebene des Tatsächlichen zur Sprache, als ein Phänomen, das zu übersehen unmöglich war. Eichmann war nicht […] Macbeth […]. Außer einer ganz ungewöhnlichen Beflissenheit, alles zu tun, was seinem Fortkommen dienlich sein konnte, hatte er überhaupt keine Motive.“. Niemals hätte er seinen Vorgesetzten umgebracht. Er sei nicht dumm gewesen, sondern „schier gedankenlos“. Dies habe ihn prädestiniert, zu einem der größten Verbrecher seiner Zeit zu werden. Dies sei „banal“, vielleicht sogar „komisch“. Man könne ihm beim besten Willen keine teuflisch-dämonische Tiefe abgewinnen. Trotzdem sei er nicht alltäglich. „Dass eine solche Realitätsferne und Gedankenlosigkeit in einem mehr Unheil anrichten können als alle die dem Menschen innewohnenden bösen Triebe zusammengenommen, das war in der Tat die Lektion, die man in Jerusalem lernen konnte. Aber es war eine Lektion und weder eine Erklärung des Phänomens noch eine Theorie darüber.“

War das die deutsche Art zu handeln? Kennen wir sie heute noch? Auf jeden Fall sollten wir heute nicht so handeln. In den Folgen damals war das Handeln katastrophal. Wie oft machen wir heute Dinge, die wir nur machen, weil der Arbeitgeber uns anweist, es zu tun? Obwohl es unseren eigenen Begriff vom "Guten" oftmals widerspricht?

Inge Hannemann(externer Link) hat sich als Mitarbeiterin des Job-Centers gegen die Hartz-IV-Schikanen gewehrt, die oftmals nur die Arbeitslosen erniedrigen, nur Gewalt sind. Deshalb wurde sie gefeuert und der Fall liegt beim Arbeitsgericht. Sie macht es öffentlich, ist eine lokale Whisleblowerin, oder einfach nur im Widerstand. Sie tut nicht, was man von ihr erwartet, sondern das, was sie als gut empfindet.

Was soll man einem immer mächtigeren Staat entgegenhalten?

Ich meine, um nicht ein Nano-Eichmann zu werden, überhaupt um als Mensch zu existieren: Man handele mit Menschlichkeit, Menschlichkeit und Güte, Gnade auch wenn jemand etwas gegen Normen, vieleicht sogar Böses getan hat. Menschen nicht verurteilen, sondern trotz allem in seiner Gemeinschaft aufnehmen. Erfahrungen von Gnade, und nur wenn man die Schule geschwänzt hat, machen uns auch zu gnädigen Menschen und zeigen uns, dass Regeln und Fortkommen nicht alles sind. Darüber steht ein Miteinander, Umgangsformen, die uns gegenseitig nicht kaputtmachen, die Zusammenhalt geben.

Ich denke da an das Gleichnis vom verlorenen Sohn oder "Es werfe den ersten Stein, wer ohne Sünde ist." . In der Bibel steht oft viel Wahrheit, wie menschliches Zusammenleben funktionieren kann. Ob man nun an den Gott glaubt oder nicht.

Ist es typisch deutsch, das zu machen, was man von einem erwartet? Woanders heisst es "Leben und Leben lassen" oder im Spanischen "mañana" (morgen, übermorgen, vieleicht gar nicht, jedenfalls jetzt nicht). Viel Gelassenheit und den anderen Menschen sehen, ist vielleicht das Rezept für uns, nach den Summer of Snowden, abseits aller politischen und technischen Lösungsstrategien. Als Mensch die Politik in ihre Schranken weisen.

Zitat "Wann" von Xavier Naidoo: "Sie wollen es, doch sie können es nicht, weil ihre Waffe an unserer Liebe zerbricht."

Also: Direkt sprechen, sagen was man denkt. Einer Manipulationskonzentration in den Medien durch das entgegensprechen, was in uns ist. Selbstverständliches, z.B. zu Hartz-IV-Opfern, dem Gegenüber sagen.

Zum Abschluß was Erfreuliches: Der Spendenstand für die Standard-Verschlüsselungssoftware Gnupg(externer Link) ist heute bei 158% des erwarteten Spendenstandes, 16 Tage vor dem Ende der Spendenkampagne sind 34.419 € gespendet worden. Das gibt Mut!

Kommentare

Tobias schrieb per Mail:

Ich finde Deinen Artikel sehr herzerwärmend (erinnert mich auch ein bischen an eine pastorale Rede :-). Auf der anderen Seite sollte man vllt. nicht mit jedem Gnade walten lassen - siehe z.B. NSA.

In einem Buch "Briefe von/an Einstein" hatte ich vor einiger Zeit gelesen, dass er (und andere) massiv vor der Aufrüstung Deutschlands gewarnt hatten. Die anderen Staaten haben das aus imhO "übereiferten Gutmenschentum" ignoriert und sich geweigert ebenfalls aufzurüsten. Da war der gutgemeinte Pazifismus imhO nicht angebracht und hat dafür gesorgt, dass die Länder schlicht vom Bösen überrant wurden.

Man muss das eben abwägen, wann und welche Gegenmaßnahmen erforderlich sind. Man muß ja nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen (also eben im Alltäglichen Gnade walten lassen), aber man kann das eben auch nicht einfach so generalisieren ...