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'Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit' am Befreiungstag

Am Tag, an dem vor 71 Jahren der 2. Weltkrieg in Deutschland beendet war, ein Tag, für den wir keinen Namen in den Medien gefunden haben, der Tag, der in den Niederlanden ganz einfach "Befreiungstag" heisst, an dem Tag nun ein Update zu der Lage an der Gedenkstätte Schillstraße.

An der Gedenkstätte hing im Hintergrund, auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Schillstraße, die Inschrift "Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit". Sie musste abgenommen werden, weil das Gebäude, an dem sie hing, abgerissen wurde. Das Gelände war vorher ein Post-Verteillager und von der Volksbank Braunschweig-Wolfsburg gekauft und mit Parkplatz und Einkaufszentrum bebaut. Es liegt in der Nähe des Hauptbahnhofs, sehr zentral und ist insofern recht wertvoll, wahrscheinlich wertvoller als es seine jetzige Nutzung nahe legt.

Damals, als die Schrift abgenommen wurde, schrieb ich den Artikel. Nun hängt wieder so eine Schrift!

Die Gedenkstätte mit Hintergundtafel
Die Hintergundtafel im Ganzen

Die Errrichtung des Dinges mit Schrift kostete mehr als 10.000 €.

Die Umgebung der Gedenkstätte hat sich verändert, doch sie hat immer noch dieselbe Geschichte. Der Platz hinter der Wand der Gedenkstätte ist nun für Autos der Einkäufer im Shopping-Center bestimmt, nicht mehr der nicht zugängliche Hof eines Post-Verteillagers.

Von dem Parkplatzgelände kann man nun auf die Rückseite der Gendenkstätte schauen. Auch die Inschrift steht nun auf dem Parkplatz und das Beton-Schild hat eine Rückseite.

Die Mauer mit den Tafeln von hinten 1
Die Mauer mit den Tafeln von hinten 2

Dies könnte eine erweiterte Gestaltung ermöglichen. Eine für die Werbung wertvolle Fläche ist dies wahrscheinlich nicht, denn wer will schon auf der Außenfläche eines ehemaligen KZ's werben: "Marlboro: Vergasung auf Raten", oder besser, da es sich um ein Arbeitslager handelte: "Randstad: preiswerte gute Arbeit für die Industrie". Stroer --Out of Home Media-- wird nur wenig zahlen für diese Flächen.

Die Gedenkstätte ist auch ein "Out of Home Media" und wir würden es gerne besser darstellen, z.B. mit einer Handy-App und QR-Codes an den markanten Punkten. Auf dem Parkplatz waren die Baracken des Lagers. Es wäre schön, wenn diese Punkte markiert wären, auch noch die anderen Teile des Lagers. Es gibt dazu ein Konzept, das in Zusamenarbeit mit einem renommierten Architekturbüro enstanden ist. Das Achitekturbüro ist sehr erfahren mit Gedenkstätten. Teil des Konzeptes ist, auf dem nun öffentlich zugänglichen Gelände (dem Parkplatz des Shopping-Centers der Volksbank) die Umrisse der Gebäude durch Licht oder Farben zu markieren. Dies wurde abgelehnt.

Dafür ist Platz für Werbung. Wie wir alle wissen, ist Werbung im Straßenbild und Stadtbild bedeutender als die Geschichte, zumal Einige gerne verschweigen, was früher war, oder nur das zeigen wollen, was ihnen gefällt, was besonders in Braunschweig seit eh' und je auffällt.

Es gibt ein dezentrales Genkstättenkonzept der Stadt Braunschweig. Heute(!) habe ich davon gehört, dass es eine Gedenkstätte an der AOK an der Fallerslebener Straße gibt. Ich bin schon öfters daran vorbei geradelt, und erinnerte mich, dass ich gelesen hatte, dass dort im Keller die bekannten "Rieseberg-Opfer" misshandelt wurden, und es eine Gestapo-Zentrale war. Ich bin weiter gefahren, weil es nichts zu sehen gab von außen, und ich nicht auf Privatgelände Erinnerungen suchen wollte. Ebenfalls heute habe ich gehört, dass es einen "Kinderfriedhof" und einen "Ausländerfriedhof" in Braunschweig geben soll, ebenfalls Gedenkstätten an die Nazi-Zeit.

Zusammengefasst: Das Gedenkstättenkonzept ist in meinen Augen gescheitert. Dafür wird die Stadt mit immer mehr Werbetafeln zugestellt, beim Führer damals war es wahrscheinlich noch weniger und Ceausecau, der Diktator aus Rumänien, war noch gar nichts gegen die Plakatanzahl der Massenmörder von Phillip Morris (Zigaretten-AG), mit Helfershelfern in der Stadt Braunschweig.

Wir sollten mal überlegen, ob wir nicht selbst bestimmen wollen, wie unsere Stadt aussieht, wenn sie uns schon als Eigentum genommen wurde, u.a. von dem ehemaligen NPD-Führer und CDU-Bürgermeister von Braunschweig, Dr. Hoffmann, dessen Hand wir heute noch in der Stadt spüren.
Das misslungene Gedenkstättenkonzept ist aber noch älter bzw. vorher gab es noch weniger, denn:
Die Gedenkstätte Schillstraße ist überhaupt erst aus dem Jahr 2000!

Das KZ-Außenlager hat auch eine aktuelle Diemension, meiner Meinung nach, weil mit dem KZ-Außenlager in der Schillstraße alles seine Ordung hatte, wie heute mit Hartz-IV und marktkonformen Entrepreteurs, die alles machen, was man von Ihnen will: Die Insassen wurden ordungsgemäß aus dem anderen KZ's hier zur Arbeit abkommandiert, und ihre Leichen wurden ordungsgemäß mit einem Bestattungsunternehmen zum Friedhof Helmstedter Straße gebracht und im Krematorium verbrannt. Alles mit Amt und Siegel. Heute geht auch Vieles mit Amt und Siegel, was nicht gut ist. Wir wollen hoffen, dass dies von heute niemals mehr die Ausmaße von damals animmt.

Wer nun in Zukunft nicht noch einmal sagen will "Das durfte nicht geschehen!" der sollte die Vergangenheit im Gedächtnis halten. Dazu gibt es Gelegenheiten, denn die Gedenkstätte in der veränderten Umgebung kann verändert werden:

  • Es wird überlegt, einen Durchgang von der Gedenkstätte zu dem Parkplatz zu schaffen. Ich bin strikt dagegen und dafür, den Platz der Gedenkstätte abgeschottet vom Einkaufsverkehr zu lassen, so dass man nur von außen sieht, hoffentlich in Zukunft besser, dass dort die Gedenkstätte ist. Dass das damals Geschehene einfach so in der Gegenwart akzeptiert wird, wäre schön, wird aber niemals so sein. Es ist immer ungeheuerlich. Und so braucht man einen extra ruhigen, friedvollen Ort, um daran zu denken. Ein Durchgang zu einem lauten Discounter-Parkplatz, einen der häßlichsten und unangenehmsten Orte, die die moderne Stadtarchitektur zu bieten hat, ist fehl am Platz.
    Das damals Geschehene ist nicht in die Jetztzeit integriert, das zeigt sich ja grad durch die halbherzigen Gendenkstätten in Braunschweig. Auch die neu gebaute Synagoge in Dresden schottet sich von der Stadt ab. Es ist nicht vorbei.

  • Ob auf dem Parkplatz noch etwas zu holen ist, ist fraglich. Bislang steht dort ein Quadrat, noch ohne Beschriftung, über den Ort einer ausgegrabenen und wieder zugeschütteten Wand einer Baracke des KZ. Ein bisschen muss dort sicherlich auch noch geschehen. So wie jetzt, weiss niemand, was das soll.

Einsames Mahn-Quadrat auf Parkplatz
Rückseite rechts mit Quadrat
Rückseite links mit Inschrifts-Mauer
  • Die Rückseite der Mauer der Gedenkstätte und der Mauer mit der Inschrift kann benutzt werden. Beide haben schon Stromanschluß.
    "Auf geht's, gute Ideen her!" würde ich gerne sagen, aber...es entscheiden andere, teilweise auch nicht demokratisch legitimiert, sondern einfach ... reich, sprich Volksbank.
    Es ist aber ein Ort, diese Rückseite der Gedenkstätte, der geradezu zu eigenen Gestaltungsideen einlädt.