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Braunschweig und Hannover: Nazi-Mahnmale amputiert

Da flog mir heute eine kuriose Pressemitteilung der Stadt Braunschweig ins Postfach: "Leuchtschrift wird abgebaut" und zwar von dem eindrucksvollsten Mahnmal in Braunschweig, das an die Nazizeit erinnert.

Die Leuchtschrift sieht so aus
Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit

und sie steht auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Schillstraße in Braunschweig.

Lest selbst:
"Die blaue Leuchtschrift „Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit“, Bestandteil der Gedenkstätte Schillstraße, wird im Zuge der Umgestaltung des ehemaligen Postareals, das von der Volksbank BraWo erworben wurde, in den kommenden Tagen demontiert. Die Gebäude auf dem ehemaligen Posthof, darunter auch jenes, an dem die Leuchtschrift angebracht ist, werden abgerissen.

Die Stadt Braunschweig und die Volksbank haben in Gesprächen mit der Künstlerin Sigrid Sigurdsson sowie dem Arbeitskreis Andere Geschichte e.V., der im Auftrag der Stadt Braunschweig die Gedenkstätte betreut, vereinbart, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die auf die Geschichte des KZ-Außenlagers an diesem Ort verweisen. Die bisherige Leuchtschrift wird zwar eingelagert, kann aber nicht wieder angebracht werden, da sie nicht mehr voll funktionstüchtig ist."

Mein Kommentar:
Das Gelände ist seit mindestens einem Jahr verkauft und es war klar, dass die Gebäude abgerissen werden. Genug Zeit, um sich um ein Konzept für die Leuchtschrift und das Denkmal zu kümmern. Anscheinend haben sich der Arbeitskreis Andere Geschichte und die Künstlerin auf der einen Seite und die Stadt auf der anderen Seite nicht einigen können, denn das Ergebnis des Gesprächs war wie vor dem Gespräch: Sie wollen (und müssen) sich einigen.

Die Leuchtschrift können sie nicht reparieren? Jede Werbeschrift ist aufwendiger. Da fehlt es wohl am Willen (und ich würde jetzt gerne nicht erwähnen, dass wir ja einen CDU-(ex NPD)-Bürgermeister in Braunschweig haben).

Hier noch einige Eindrücke von dem Denkmal:

Gesamtansicht. Im Vordergrund ein Kriegerdenkmal für Soldaten
Gesamtansicht
Eine Aufschrift des großen Denkmales
Aufschrift
Es handelt sich auch um ein Grab
Denkmalsgrab
Es soll auch an die Wehrmachtssoldaten, die für Volk und Vaterland gefallen sind, erinnern. Deshalb wurde es 1955 dazu 'geweiht'. Das Nazi-Mahnmal wurde erst 2000 herum errichtet.
1955
Ohne Worte
2000
An der Mauer hängen Tafeln zur Geschichte mit persönlichen Erfahrungsberichten.
Tafeln an der Mauer

Erklärung zu dem Mahnmal aus der Pressemitteilung:

"Auf dem Gelände des ehemaligen Posthofs an der Berliner Straße befand sich in der Zeit von 1944 bis 1945 das KZ-Außenlager Schillstraße. Im Jahr 2000 errichtete die Stadt Braunschweig unmittelbar an das ehemalige KZ-Außenlager angrenzend die Gedenkstätte „KZ-Außenlager Schillstraße“. Teil dieser Gedenkstätte ist eine künstlerische Gestaltung der Hamburger Künstlerin Sigrid Sigurdsson, die eine blaue Leuchtschrift mit einem Zitat aus rabbinischen Schriften „Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit“ beinhaltet. Die Leuchtschrift war bisher an einem Gebäude auf dem Gelände des früheren Posthofs angebracht."

Wer mehr zur Geschichte Braunschweigs von 1933 bis 1945 erfahren will: www.vernetztes-gedaechtnis.de(externer Link) . Multimedial und mit Bild und Ton.

Ergänzung aus Hannover:
Es gibt dort auch ein Mahnmal.

Das Mahnmal in Hannover heute
Mahnmal in Hannover 2012

In der Mitte sollen sich Menschen hinsetzen können und miteinander reden. Die Namen von Toten stehen in den Wänden des Denkmales. Leute haben sich beschwert, dass es beschmiert und verdreckt wurde. Jetzt ist der Zaun drumherum.

Update zu Hannover
In Hannover ist das Mahnmal jetzt wieder restauriert und es ist wieder ein Ort mit Aufenthaltsqualität.